Musik

Die Musik besitzt in der Capoeira eine zentrale, nahezu existentielle Bedeutung. Das Zusammenspiel der Instrumente bildet die Grundlage des Geschehens im Capoeira-Kreis (Roda) und wird durch den Gesang ergänzt. Ein Vorsänger stimmt die Lieder an, während der Kreis mit Refrains antwortet.

Die Inhalte der Lieder sind vielfältig: Häufig werden die allgemeine oder persönliche Geschichte der Capoeira besungen, Geschichten aus dem Leben erzählt oder um Schutz gebeten. Manche Lieder fordern zu einem kämpferischen oder ruhigen Spiel auf, denn der Text steht stets in enger Verbindung zum Geschehen in der Roda – er kommentiert, beeinflusst und lenkt das Spiel. Neben zahlreichen traditionellen Liedern entstehen täglich neue Kompositionen.

Weitere musikalische Ausdrucksformen, die eng mit der Capoeira verbunden sind, sind die Musik des Maculelê (Tanz mit Macheten), des Samba de Roda sowie der Puxada de Rede, dem Tanz der Fischer beim Einholen der Netze.

 

Die musikalischen Grundlagen werden in separaten Musiktrainings vermittelt, die in den regulären Trainingsalltag integriert sind. In unserer Gruppe besteht die musikalische Begleitung aus dem Zusammenspiel von drei Berimbaus (Musikbögen) – Gunga, Médio und Viola –, einer Atabaque (Trommel), zwei Pandeiros (Tamburine) und einem Agogô (Glockeninstrument). Alle weiteren Capoeiristas beteiligen sich durch rhythmisches Händeklatschen.

  • Das Berimbau – der Dirigent der Capoeira

    Das Berimbau – der Dirigent der Capoeira

    Das Berimbau ist das zentrale und bedeutendste Instrument der Capoeira. Äußerlich erinnert er an einen musikalischen Bogen, der mit einem Resonanzkürbis ausgestattet ist. Obwohl er nur über eine Saite verfügt, ermöglicht er durch den Einsatz eines Steins (oder einer Münze) und eines kleinen Holzstocks eine große Vielfalt an Klängen.

    In der Capoeira übernimmt der Berimbau eine führende Rolle: Er bestimmt den Rhythmus, das Tempo und den Charakter des Spiels. An seinem Klang orientieren sich alle Beteiligten, denn er entscheidet, ob das Spiel ruhig und kontrolliert oder schnell und dynamisch ausgeführt wird.

  • Die Atabaque – der Herzschlag der Capoeira

    Die Atabaque – der Herzschlag der Capoeira

    Die Atabaque ist eine große, aufrecht stehende Handtrommel afrikanischen Ursprungs und ein wesentliches Rhythmusinstrument in der Capoeira-Musik. Es besteht in der Regel aus einem hölzernen Korpus und einem Naturfell, das mit Seilen oder Metallspannern gespannt wird. Gespielt wird die Atabaque mit den Händen, wodurch sowohl tiefe Basstöne als auch klar akzentuierte Schläge entstehen.

    Innerhalb der Roda übernimmt die Atabaque eine tragende Funktion: Es liefert den kraftvollen Grundrhythmus und stabilisiert das musikalische Gefüge. Gemeinsam mit dem Berimbau bildet es das rhythmische Fundament, auf dem Gesang, Bewegung und Spiel aufbauen. Durch seinen konstanten und durchdringenden Klang verleiht das Atabaque der Capoeira Energie, Dynamik und Erdung – vergleichbar mit einem Herzschlag, der das gesamte Geschehen zusammenhält und antreibt.

  • Das Pandeiro – das Herz der rhythmischen Vielfalt

    Das Pandeiro – das Herz der rhythmischen Vielfalt

    Das Pandeiro ist ein traditionelles brasilianisches Handtrommelinstrument, das äußerlich einem Tamburin ähnelt, jedoch durch seine Bauweise und klangliche Flexibilität weit mehr Ausdrucksmöglichkeiten bietet. Es besteht aus einem runden Holzrahmen, einem gespannten Fell und mehreren kleinen Metallplättchen (Zimbeln), die beim Schlagen und Schütteln vibrieren und für den charakteristischen, klingenden Klang sorgen.

    Gespielt wird das Pandeiro überwiegend mit den Händen, wobei unterschiedliche Schlagtechniken – Tippen, Klatschen, Rollen oder Schütteln – eine große Vielfalt an rhythmischen Akzenten ermöglichen. In der Capoeira-Musik hat das Pandeiro eine zentrale Rolle: Es ergänzt den Grundrhythmus des Berimbau und der Atabaque, verleiht der Musik Lebendigkeit und strukturelle Tiefe und erzeugt einen dynamischen Klangteppich, auf dem Gesang, Bewegung und improvisierte Rhythmen miteinander verschmelzen.

  • Das Agogô – der akzentuierende Impuls der Capoeira

    Das Agogô – der akzentuierende Impuls der Capoeira

    Das Agogô ist ein traditionelles Perkussionsinstrument afrikanischer Herkunft, das aus zwei oder mehreren miteinander verbundenen Metallglocken besteht. Jede Glocke erzeugt einen unterschiedlichen Ton, der durch gezieltes Anschlagen mit einem kleinen Holz- oder Metallstab hörbar wird. Sein klarer, heller Klang durchdringt die anderen Instrumente und sorgt für rhythmische Akzente, die das Zusammenspiel von Musik und Bewegung präzise strukturieren.

    In der Capoeira-Musik übernimmt das Agogô eine unterstützende, aber unverzichtbare Rolle: Es fügt einen zusätzlichen rhythmischen Layer hinzu, der die anderen Instrumente wie Berimbau, Atabaque und Pandeiro ergänzt. Die klaren, durchdringenden Glockenschläge markieren wichtige Akzente innerhalb der Roda, synchronisieren Bewegungen und motivieren die Tänzer.